Fachvortrag zum Thema „ICF“

Im Rahmen des 20. Jubiläums des heilpädagogischen Kindergartens, dessen Träger der Caritas-Verein Altenoythe e.V. ist, sind verschiedene Veranstaltungen geplant. Zum Start des Jubiläumsjahres wurde Dr. Herbert Beims, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin sowie ehemaliger Leiter des neurologischen Rehabilitationszentrums Friedehorst, gewonnen, um eine Einführung in das Thema „Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit“ zu geben.

Nach der Begrüßung der Interessierten, leitete Beate Kaminski, Leiterin des Kindergartens, den Vortrag von Herrn Dr. Beims mit den Worten ein „Unser Anliegen besteht darin: Wie bekommen unsere Kinder das, was Sie benötigen und wie kann man sie bestmöglich auf ihrem Weg begleiten und unterstützen. Hierbei spielt die ICF bei der Beschreibung der Kinder und Erstellung passender Förderpläne eine entscheidende Rolle.“

In seinem Vortrag führte Dr. Beims aus, dass das ICF-Modell nicht auf Grundlage von Defiziten oder Diagnosen die Kinder beschreibt. Ganz im Gegenteil erläutert die ICF anhand der Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder, was sie hinsichtlich ihrer Lebenssituation, Aktivitäten, Partizipation an der Gesellschaft und Körperfunktionen leisten können – also was möglich ist und was eben nicht bzw. noch nicht. Anhand dessen können Kindergärten, Schulen, Therapeuten oder Ärzte dann entsprechende Förderpläne erstellen und Förderziele ableiten.

Aktivitäten und Teilhabe am Leben in der Gesellschaft stehen im Vordergrund des Modells. Der Blickwinkel ändert sich damit im Vergleich zu früheren Zeiten vollkommen. Menschen sollen ihr Dasein in allen Lebensbereichen, die ihnen wichtig sind, in der Weise und dem Umfang entfalten können, wie es anderen Menschen ohne gesundheitliche Beeinträchtigung möglich ist. Nicht mehr die Diagnose, Gesundheitsprobleme und Defizite stehen im Vordergrund, sondern der Mensch innerhalb der Gesellschaft mit seinen Fähigkeiten und seiner Lebenssituation. Damit entspricht die ICF genau dem Gedanken der Inklusion im Hinblick auf die gesellschaftliche Partizipation. „Inklusion ist auf die ICF angewiesen“, so Dr. Beims.
Ein weiterer Vorteil der ICF ist die Verwendung einer einheitlichen Sprache. Das bedeutet die Kategorien und Untergruppen der ICF sind nicht in einer Fachsprache verfasst, sondern für alle, auch Fachfremde, gut verständlich formuliert. Dies ist für die interdisziplinäre Arbeit an der ICF und die entsprechend gemeinsame Gutachtenerstellung äußerst hilfreich.

Anwendung findet die ICF bereits in vielen Bereichen. So ist sie im Sozialgesetzbuch IX verankert und Krankenkassen verlangen im Rahmen von Reha- und Behandlungsplänen bereits entsprechende Gutachten nach dem ICF. Hier wird beispielsweise vor Antritt einer Rehabilitationsmaßnahme festgelegt, welche funktionellen Ziele erreicht werden sollen, um die Lebenssituation des Betreffenden zu verbessern oder beispielsweise nach einem Unfall wieder herzustellen. Als Ausblick betonte Herr Dr. Beims, dass die Verwendung und die Bedeutung der ICF, die bereits 2001 von der Weltgesundheitsorganisation verabschiedet in den kommenden Jahren stark zunehmen wird.